Was passiert mit meinen Daten? – Café Meins

Was passiert mit meinen Daten?

Wo sie geht und steht, soll Meins-Autorin Angi Brinkmann, 53, jetzt ihre Handynummer angeben. Wegen Corona und so. Das will sie aber nicht und geht der Frage „Was passiert eigentlich mit meinen Daten?“ auf den Grund.

Meine Freundin Judith leitet die Schulassistenz im Saarland. Das tut sie höchst verantwortungsbewusst. Nur wenn die Datenschutzverordnung ihrem Team mal wieder so richtig viel abverlangt, witzelt sie: „Am besten machen wir die Rollläden zu, damit auch keiner durchs Fenster auf den Computer gucken kann.“ Das Gehühner um den Schutz von Namen kommentiert meine Metzgereiverkäuferin Frau Schmelzer so: „Isch darf Sie nur noch mit FRAU begrüße, des dut mer läääd …“ Tja, und nun? Letzte Woche war ich zur Fußpflege im Nagelstudio. Beim Bezahlen musste ich meine Adresse und meine Handynummer angeben. Das heften die jetzt in einen Ordner, falls ein Coronafall auftritt und das Gesundheitsamt wissen muss, wer noch so rote Nägel hat.

Grundsätzlich finde ich es ja in Ordnung, mögliche Ansteckungsketten zu lokalisieren. Aber woher weiß ich denn, ob die jeweiligen Archivierer meiner Daten – Restaurantbesitzer, Friseure, Kinobetreiber, wer auch immer – achtsam mit meinen persönlichen Angaben umgehen? Auf der Internetseite des Bundesbeauftragten für den Datenschutz steht dazu: „Werden im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie personenbezogene Daten erhoben (…), handelt es sich um Gesundheitsdaten. (…) Dabei ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit stets zu beachten.“ So, jetzt sind wir mittendrin im Thema: Was ist denn verhältnismäßig? Meine Eltern, eine Autostunde entfernt, müssen nur ihren Wohnort angeben, dem Pfälzer genügt das. Und 90 Meter weiter über dem Rhein fehlt auf dem Mannheimer Formular im Eiscafé nur noch die Schuhgröße – so genau wollte man dort alles notieren. Ich finde diesen föderalistischen Datenschutz-Wirrwarr total bekloppt.

Was mit meinen Daten passiert, da bin ich sensibel…

Irgendwie hätte ich größte Lust, mir einen Spaß zu machen. Wie wäre es mit Effi Briest aus der Fontanestraße? So könnte ich unterschreiben. Den Ausweis dürfen nämlich nur staatliche Behörden wie die Polizei verlangen. Spaß beiseite, meinen Namen und den Wohnort anzugeben ist ja okay. Aber den Rest kann die Gesundheitsbehörde recherchieren, wenn sie mich schon unter Quarantäne setzen will. Es gibt ja Google. Und Das Örtliche – als Kind der 60er-Jahre habe ich sogar Festnetz. Meine Mobilnummer möchte ich aber nicht allerorts hinkritzeln. Da bin ich sensibel, so wie meine Daten.