Willkürlicher Strafzettel – Café Meins

Willkürlicher Strafzettel

Der neue Bußgeld-Katalog und moderne Park-Apps machen aus Ordnungshütern gelegentlich Rowdys, findet MEINS-Autorin Angi Brinkmann, 53. Und plötzlich kassiert man willkürlich einen Strafzettel, den es früher nicht gegeben hätte…

Eins gleich vorweg: Für unser Handeln müssen wir Verantwortung übernehmen. Dazu stehe ich – auch wenn’s ein Knöllchen gibt. Wer im absoluten Halteverbot Brötchen holt, zum Ausladen den Radweg zuparkt, mit 60 durch eine Spielstraße heizt oder uns mit 200 Sachen auf der Autobahn wegblendet, der gefährdet andere. So eine arrogante Selbstherrlichkeit schreit nach Strafe. Die Straßenverkehrsordnung schützt uns alle. Strenge ist wichtig, Überwachung auch, und Maßregelung muss sein!

Ganz, ganz stinkig kann ich allerdings werden, wenn ich das Gefühl habe, dass Willkür im Spiel ist. Oder böser Wille. Oder schlechte Laune. Und Ordnungshüter jegliches Maß verlieren. So geschehen gerade in Hamburg: Ich habe einen größeren Einkauf zu machen und finde – juchheee – einen Parkplatz direkt vorm Laden. Fröhlich aktiviere ich die App „PayByPhone“. Meine Freundinnen haben die jetzt alle. Endlich keine Kleingeld- oder Automaten-Suche mehr. Dein Standort wird lokalisiert, und du musst nur noch die gewünschte Parkzeit anklicken. Bezahlt wird per Lastschrift oder Telefonrechnung. Alles, was bleibt ist, ein Papier vorn im Fenster zu platzieren, auf dem steht: „Bezahlt per App“. Das druckt man sich zu Hause einmal aus und legt es zur Parkscheibe ins Handschuhfach. Den Code auf dem Zettel scannt der weltgewandte Ordnungshüter durch die Scheibe ein und sieht, dass du deinen Parkvorgang brav bezahlt hast.

Hast Du schon mal willkürlich einen Strafzettel kassiert?

Im Supermarkt brauche ich ewig. Das Abstandhalten führt zu Kassenschlangen bis zur Käsetheke, hinter meiner Maske setzt Schnappatmung ein. Beim Einräumen meiner Taschen sehe ich zwei Herren in Dunkelblau an meinem Wagen stehen, wie sie emsig Handyfotos machen. Ich rase hin und schnaube: „Oh mein Gott, das war viel voller als gedacht, ich, ich …“ Aber jetzt kommt der Clou: Mein Ticket war noch gar nicht abgelaufen – ich hatte noch zehn Minuten! Warum also ein willkürlicher Strafzettel? Wir diskutieren, scrollen gemeinsam durch meine App und finden schnell die Lösung: In meinem Smartphone war vom letzten Parken noch das Kennzeichen unseres Zweitwagens gespeichert. Blöd gelaufen, aber Gott sei Dank ist alles technisch nachvollzieh- und beweisbar.

Die Kerle nicken sich zu, und ich freue mich, dass sich der Sachverhalt aufgeklärt hat. Denkste! Herr K. (sein Name steht auf der Uniform) kneift die Augen zusammen: „Fest steht, Sie haben kein Ticket für dieses Fahrzeug.“ Ich lächle irritiert und fasse zusammen: „Aber wichtig ist doch, meine Herren: Ich stehe auf einem städtischen Parkplatz und habe die Gebühr dafür bezahlt. Unser Zweitwagen parkt vor unserer Garage. Ich kann Ihnen sofort ein Beweisfoto schicken lassen …“ Doch er setzt noch einen drauf: „Wenn ich das Bußgeld jetzt zurücknehme, muss ich erklären, warum. Dazu habe ich keine Lust.“ Ich bekomme eine Hitzewallung par excellence, und mir schießen Tränen der Wut in die Augen – wie ungerecht! Nehmt mich in Beugehaft, aber ich werde dieses Knöllchen nicht bezahlen – der Parkplatz war bezahlt.

Hast Du schon einmal eine ähnliche Situation erlebt oder gar einen Strafzettel willkürlich erhalten?