Sonderrechte für Geimpfte?

Von Café Meins02.04.2021

Die Corona-Impfung ist ganz klar DAS Thema zur Zeit. Ganz unabhängig von der Impfstrategie, haben wir uns vor allem eine Frage gestellt: Sollte es Sonderrechte für Geimpfte geben?

„Eintritt nur nach Impfung“ könnte bald an Kino, Restaurant und Co stehen. Aber kann man das Thema so stark vereinfachen? Würde das nicht voraussetzen, dass wir alle gleichberechtigt und zeitnah geimpft werden können? Oder sollten wir uns lieber über jeden Schritt in die richtige Richtung freuen? Zwei Leserinnen erzählen heute, wie sie darüber denken. Wie ist Deine Meinung? Hinterlasse uns gern ein Kommentar!

„Neid ist der falsche Ratgeber“

Brigitte (57) schreibt: Wenn ich nicht darf, darfst du auch nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion um Sonderregelen für Geimpfte auf Kindergarten-Niveau geführt wird. Meiner Meinung nach geht es nicht um Sonderrechte für Geimpfte, sondern darum, ihnen ihre Grundrechte zurückzugeben. Wir sprechen von Menschen von 80 Jahren und mehr, die monatelang nahezu völlig isoliert gelebt haben, und von Pflegekräften, die während der Pandemie einen der wichtigsten und forderndsten Jobs erledigen. Warum sollte ich meiner Freundin, die Pflegerin ist, oder meiner 85-jährigen Tante nicht gönnen, dass sie mal wieder ein Restaurant oder Theaterstück besuchen dürfen? Warum sollte es bis zur letzten Impfung allen gleich schlecht gehen?

Es wäre doch schön, wenn einige Menschen wieder so etwas wie Normalität erleben dürften. Nach jetzigem Stand sieht es ja auch ganz danach aus, dass die Ansteckungsgefahr durch die Impfung gebannt ist. Auch die Wirtschaft würde profitieren – wer geimpft ist, könnte Gastro, Einzelhandel, Tourismus, Kultur wieder ankurbeln. Solidarität bedeutet in diesen Tagen, Geimpften zuzugestehen, dass sie ihre Grund- rechte zurückbekommen. Und wir alle sollten uns vor Augen führen, dass die Rückkehr in ein normales Leben nur möglich ist, wenn wir uns impfen lassen. Und wenn Sonderrechte ein Anreiz dafür sind, soll mir das auch recht sein

„Sonderrechte für Geimpfte führen zur Spaltung der Gesellschaft“

Jutta (59) denkt: Restaurantbesuche nur nach Impfung? Das ist unfair! Es hatten ja noch gar nicht alle die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Mein 83-jähriger Vater zum Beispiel wartet seit Wochen auf seinen Termin. Aber auf den wird er bei dem ganzen Hin und Her wohl noch eine ganze Weile warten müssen. Währenddessen sollen andere schon wieder ins Restaurant oder ins Café gehen? Das ist nicht in Ordnung! Solche Maßnahmen führen doch nur zu einer noch größeren Spaltung in unserer Gesellschaft. Außerdem werden wir dadurch genötigt, uns impfen zu lassen. Es wird Druck aufgebaut. Dabei sollte das Impfen freiwillig sein! Jeder sollte selbst entscheiden, ob er es möchte oder nicht. Alles andere beschneidet die Freiheit des Menschen!

Klar, wir haben eine Pandemie. Ich komme aus der Kosmetikbranche. Für mich sind Hygiene und Rücksichtnahme ganz selbstverständlich. Ich trage Maske und halte Abstand. Und ich kann auch den Wunsch verstehen, dass sich zum Beispiel Pflegepersonal im Altenheim impfen lässt, weil da die Gefahr für die Älteren hoch ist. Aber bei einem Restaurantbesuch zum Beispiel ist das Risiko überschaubar, und man kann gute und sichere Konzepte schaffen – ganz ohne Impfdruck. Zumal ja auch noch gar nicht abschließend geklärt ist, ob Geimpfte nicht trotzdem andere anstecken können, auch wenn sie selbst geschützt sind. Und dann könnten solche Öffnungen eventuell sogar in die falsche Richtung laufen.

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