Neue Gender-Debatte? – Café Meins

Neue Gender-Debatte?

Von Café Meins08.09.2020

Liebe Leser*innen, Autorin Angi Brinkmann, 53, ist genervt von diesen neuen Endungen mit Sternchen. Diese neue Gender-Debatte braucht doch kein Mensch, findet sie! Äh, Mensch*in…

Treue Leserinnen meiner Kolumne wissen längst: Die deutsche Sprache ist mir heilig! Nicht erst seit meines Sprachwissenschaft-Studiums bin ich regelrecht verschossen in die Vielfalt des Deutschen. Kaum eine andere Sprache offenbart so viele differenzierende Vokabeln – insbesondere für Emotionen. Und genau die kochen jetzt bei mir hoch, wenn ich Radio höre oder Fernsehen schaue oder so manchen klugen Artikel lese. 

Hardcore-Emanzen seien an dieser Stelle gewarnt: Dieser Text entspricht möglicherweise nicht den Vorstellungen von Gleichstellung und könnte Nebenwirkungen wie Unverständnis entfachen. Wer jetzt weiterliest, setzt sich meiner Meinung aus. Oder heißt das bei Frauen jetzt Meinung*innen? Ihr merkt, ich bin mittendrin im Thema: Wozu bitte brauchen wir diese Endungen „*innen“? Waren wir Frauen so unglücklich? Hat man uns im alltäglichen Sprachgebrauch nicht genügend gesehen? Also, mir hat nichts gefehlt! Ich bin doch als Frau im Deutschen voll gleichgestellt: Schaffnerin, Ärztin, Buchhalterin, Professorin, Hausmeisterin, Mechatronikerin, Managerin – ich kann alles werden, und es gibt eine weibliche Bezeichnung. Warum aber müssen jetzt Politiker einheitlich Politiker*innen sein? Studenten Student*innen? Ich war gern Student, ich fühlte mich als solcher immer ein bisschen wie in einem Heinz- Rühmann-Film mit Käppi und Ledertasche. Ich zähle mich auch stolz zu den Journalisten, eine Herausstellung mit Sternchen brauche ich nicht. 

Diese neue Gender-Debatte ist gequirlter Firlefanz

Beim Zeitung lesen stolpere ich mittlerweile über gefühlte 546 Sternchen*INNEN pro Artikel. Das bringt mich total aus dem Lesefluss. Man erwischt sich regelrecht dabei, emsig den Text zu überprüfen, ob der Autor, ’tschuldigung, die Autor*IN, vielleicht nicht irgendwo ein Sternchen vergessen hat. Sehe ich eine Talkshow, wie die der von mir sehr, sehr geschätzten Dunja Hayali, geraten meine Öhrchen komplett ins Trudeln, weil die gute Dunja so überüberkorrekt sein möchte und zwischen den Sternchen und dem „-innen“ so eine bedeutungsvolle Pause macht. Zuerst dachte ich: Ups, hat die jetzt ein Hüsterchen? Nein, das Achtung-es-folgt-eine-Gender-Endung-Sprechen hat System. Die Maybrit Illner und die „Tagesthemen“-Moderatoren, äh, Moderator*INNEN machen das jetzt auch. 

Restlos irritierend ist dieses Endungsprozedere beim Radiohören. Den tatsächlich hoch spannenden Themen im Deutschlandfunk kann ich kaum noch folgen, weil ich ob der Sprechkonzentrationsübungen stets denke, der Sender kippt mir gerade weg. Lasst es doch sein mit dem „*innen“, uns Frauen geht es gut, oder? Gleichwohl bin ich eine überzeugte Feministin – seien Sie dessen gewiss! Passend zum guten Schluss schenke ich Ihnen einen meiner Lieblingssprüche: „Als Gott den Mann schuf, hat sie nur geübt!“ 

 

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