Mit 50 ist erlaubt, was uns gefällt!

Von Café Meins16.06.2021

Mode und Style sind keinesfalls eine Frage des Alters, findet MEINS-Autorin Angelika Brinkmann. Stattdessen ist doch einzig das Wohlgefühl, was zählt! Deshalb plädiert sie dafür, dass mit 50plus erlaubt ist, was uns gefällt.

Eine Freundin von mir trägt ihre schönen langen Haare immer tief im Nacken mit einer schmalen Hornspange zusammengebunden. Das hat ein bisschen was vom Fräulein Stenotypistin Ende der 50er-Jahre, finde ich, und bin damit rausgeplatzt. Sie war völlig irritiert und sagte: „In meinem Alter? Mit einem wippenden Pferdeschwanz mach’ ich mich doch lächerlich.“ Ich bin sprachlos, und das ist eher selten. Wer sollte darüber befinden? Was hat die Position des Zopfes mit den Ziffern auf dem Personalausweis zu schaffen? Nix! Weg mit diesen ollen Zöpfen!

Entscheidend ist doch unsere Lebenslust, und erlaubt ist, was gefällt. Denn was gefällt, tut uns gut! Basta! Wo kommen wir da hin, wenn wir uns heut- zutage noch sagen (lassen), wie wir in welchem Alter auftreten dürfen? Wo ist diese unsichtbare Anstands- oder Kleidungspolizei? Längst über alle Berge, und das ist gut so. Schauen wir auf unsere Mütter, die leben uns vor, wie frau sich befreit. Auf unseren alten Kinderfotos sehen unsere Mütter aus wie auftoupierte Omas – steifer Bügel-BH, enge Bluse, Knie bedeckender Sonntagsrock. Und jetzt? Meine Mutter wirkt mit ihren 80 jünger als vor 30 Jahren. Die trägt bunte Tuniken statt Schluppenkragen, weiße Jeans und Glitzer-Sneaker – tschüss, Lack-Pumpschen.

Das Leben ist kein Kirchgang: Wir geben den Ton an!

Meine Mama macht’s richtig, trägt nur noch, was bequem ist, und genießt ihr Wohlgefühl. Ich frage mich tatsächlich oft, warum wir uns – all unserem besseren Lebenswissen zum Trotz – noch immer selbst in Schubla- den stecken. Oder einander. Warum stellen wir uns Fragen wie „Ist dieses Muster nicht ein bisschen zu laut?“, „Ist der Rock zu kurz?“, „Sehe ich vielleicht zu mädchenhaft aus?“. Auf solche Ideen kämen Männer nie, obgleich sie das sicher häufiger nötig hätten als wir Perfektionistinnen. Aber gerade diese – sagen wir mal Selbstfürsorge macht Männer so frei. Da haben sie uns gewaltig etwas voraus. Die stolzieren großen Schrittes in kurzer Hose durch den Supermarkt, während wir uns wegen etwaiger Kniefalten kaum mit dem Gartenschlauch bis zum Zaun trauen. Na logo haben wir nicht mehr das Häutchen einer 25-Jährigen, aber umso mehr im Kopf und eine ganze Menge Herzensbildung. Würde ich diese Lebenserfahrung bemustern, wäre sie bunt und fröhlich flatternd …

Ich appelliere dafür, unserem Schwung Ausdruck zu verleihen und längst überholte Dogmen in unseren Köpfen zu eliminieren. Löschtaste, Enter, fertig! Das Leben ist kein Kirchgang. Feiern wir es – und wer möchte, tut das kurzsäumig, quietschbunt und hochzopfig. Ich werde meiner Freundin jetzt ein Haarband schenken. Ich wette, das steht ihr!

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