Kolumne: Von wegen Geiz ist geil

Von Café Meins10.03.2021

Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, in denen Geräte mehrere Generationen durchhielten? Omas Waschmaschine zum Beispiel, erinnert sich MEINS-Autorin Angelika Brinkmann. Ihre dagegen gab lange vor der Pubertät auf. Bei weitem nicht das einzige Gerät…

„,Miele, Miele`, sprach die Tante, die alle Waschmaschinen kannte“, flötete die Oma mei­nes Mannes beim Wäsche­ sortieren. Mein Gatte zitiert sie heute immer öfter. Verständlich. Als wir heirateten, kam Schwiegeromas Waschma­schine mit in meine Ehe, und das alte Rum­pelteil blieb uns noch zehn Jahre treu. Ebenso wie ihre Küchenmaschine, die elektrische Zitronenpresse oder der Pürierstab – alles stabile Ware, bis heute (!) topfunktional.

Welch goldene Zeiten der Hauswirtschaft waren das, in denen uns die Oma ihre tüchtigen Küchenbegleiter vererben konnten. Heute läuft der Elektrohan­del anders: Da werden Geräte produziert, die sich wenige Tage nach Ablauf ihrer Garantie­ zeit von selbst töten. Elektro­-Suizid nenne ich das gern. Lachen Sie nicht, das ist ein bislang viel zu wenig thematisiertes Problem unserer modernen Wegwerfgesellschaft. Ein süffiges Beispiel sind diese eleganten kleinen Wein­kühlschränke, die wir uns schick in die Küche stellen, um immer sechs Flaschen Weiß­ und Rotwein perfekt temperiert parat zu haben. Genau da liegt die Krux: Das edle Teil kam direkt nach seiner Pubertät ins Klimakterium. Der Bereich für Rotwein, laut Hersteller auf 16 Grad Idealtemperatur eingestellt, brutzelte sich nach Ablauf der 24-monatigen Garantiezeit schlagartig auf 32 Grad hoch und produzierte ungefragt Glühwein. Der Hersteller war sich keinerlei Schuld bewusst und bot mir generös zehn Prozent Rabatt für den Kauf eines neuen Weinkühlers an. Danke, aber nein danke.

Geiz ist geil? Nur in einer Hinsicht!

Die Espressomaschine, die digitale Küchenwaage und der Mixer zeigten sich offenbar so tief betroffen vom Todesfall in meiner Küche, dass sie, einer nach dem anderen, jeglichen Lebensmut verloren. Die Waage zeigte statt „Tara“ schon bei einer leichten Tupperdose 9 576 459 745 Gramm an und ging einfach aus. Der Mixer verlor schon bei Leichtgewichten wie Bananen plötzlich sein Messerchen im Brei, und die Espresso­maschine … Ach, lassen wir das! Gerade bei diesen edlen „Guck mal, was wir für schöne Küchenaccessoires haben“­-Teilen spricht man heute klüger von einem Mindesthaltbarkeits datum als von Lebensdauer. Und die Hersteller befeuern das: So kosten die Kaffeekapseln für einen Monat mehr als die Maschine selbst. Da lohnt sich nicht einmal mehr das Entkalken. Ebenso gierig agiert mein Laserdrucker: Während ich umweltbewusst nur das Nötigste ausdrucke, trocknen die Farbpatronen aus, und das Refill käme ein Drittel teurer als ein krachneuer Drucker. Na prima, kaufen wir halt ein neues Gerät, Geiz ist ja so geil. Falsch! Wir sollten geiziger mit unserer Umwelt werden und nachhaltig produzieren. Ich möchte bitte etwas vererben können.

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