Aufreger: Party-Panik – Café Meins

Aufreger: Party-Panik

MEINS-Autorin Angi Brinkmann, 53, freut sich eigentlich auf jede Party! Würde da nur nicht jeder seinen großen Auftritt haben wollen…

Tja, was ich von WhatsApp-Gruppen halte? NIX! In 99 Prozent der Chats präsentieren sich Tortenbäckerinnen, Abendessen-Fotografiererinnen und überaktive „Guck mal, was meine Katze gerade Süßes macht“-Poser. Und werden Selbstdarsteller wie diese zu einem runden Geburtstag eingeladen, flippen sie komplett aus. Da wird eine Gästegruppe gegründet und gleich noch die Gemeinschaftsgeschenk-Gruppe, gefolgt von der „Was führen wir auf?“- Gruppe. Alles schrecklich nervend, weil jeder Zweite im Sekundentakt seinen Sermon reintippt und keiner liest, was da schon steht. Ginge es tatsächlich um das Geburtstagskind und seinen Geschenkewunsch, wäre die Sache ja schnell erledigt. Wir legen alle zusammen, reichen auf dem Fest die Geburtstagskarte herum, Musik an, Party!

Peinliche Geschenke – wer kennt’s auch?

Heikel und spitzenpeinlich wird es, wenn sich Gäste etwas ausdenken, was so gar nicht zur Gastgeberin passt und eigentlich nur ihrer eigenen, eitlen Präsentation dient. Mein Spitzenreiter 2019: Eine Freundin, eher zurückhaltender Typ, muss auf ihrem 50. auf der Bühne Quizfragen zu ihrer Person über sich ergehen lassen – beantwortet von ihren zunehmend verzweifelten Gästen. Aber die Initiatoren haben sich gefeiert.

Als Gast graut es mir mittlerweile vor schlecht getexteten Liedern, zähen Spielchen oder gar Flashmobs. Ja, auch das hatte ich gerade: Arme hoch und seitwärts im Gruppenschritt auf ein grauenvolles Lied stampfen – wie unpassend auf einem 20er-Jahre-Fest, zu dem alle so elegant kamen. So was denken sich drei, vier aus, und alle sollen mit ziehen, ansonsten gelten sie als Spielverderber. Vor der Party trifft man sich dann gefühlt 57-mal, um die Ideen der Möchtegern-Künstler zu erlernen. Kommentarlos, versteht sich. Denn macht man Vorschläge oder äußert gar Bedenken, wackelt die Eitelkeit der selbst ernannten Gruppenleader. Wer will schon hören, dass drei Liedstrophen nun wirklich genug sind bei 70 Gästen, die sich untereinander kaum kennen und sich in einem romantisch gedimmten Partyraum 25 ausgeteilte Textblätter teilen sollen. Und wenn dann endlich der vermeintliche Partyhöhepunkt naht, kannste dein Sekt-Glas drauf verwetten, dass ein Drittel rauchen geht oder sich laut schwatzend abwendet. Sicher nicht fein, aber manchmal verständlich.

Warum feiern wir nicht einfach zusammen? Mit kaltem Sekt, guten Gesprächen – und ohne Flashmob.