Anti Aging für Frauen 50+? – Café Meins

Anti Aging für Frauen 50+?

MEINS-Autorin Angi Brinkmann, 53, hat ihre ganz eigene Meinung in puncto Anti Aging für uns Frauen 50 Plus. „Altern ist doch kein Kriegszustand!“, findet sie. Warum es sich lohnt, möglichst faltenfrei zu sein, ist ihr ebenso ein Rätsel wie die Tatsache, dass dafür auch noch 39-Jährige Werbung machen.

Neulich erzählte meine Tochter, gerade entzückende 21, ihre Freundinnen würden die Frage diskutieren, wann man mit Botox anfängt. „Häää?“, denke ich mir, aber das sage ich als pädagogisch wertvolle Mutter natürlich nicht. Ich gebe die Interessierte und lasse mir innerlich brodelnd erläutern, dass frühzeitige Injektionen der Faltenbildung vorbeugen und frau mit 40 Jahren dann noch glatt wie ein Pampers-Popo sei. „Wegen der Gesichtslähmung?“, möchte ich schreien und schaue stumm strafend zum Vater. Der Gatte, als Zahnarzt im Gegenteil zu mir zu Hause institutionell anerkannt, schaut von der Zeitung hoch und sagt zur Tochter: „Du bist mit 21 in jedem Fall zu spät dran …“ Ein Brüller!

Wann mit Anti Aging anfangen – und wo aufhören?

Aber was die Werbeindustrie da treibt, ist nicht zum Lachen. Die Luxusfirma Dior zum Beispiel präsentierte gerade eine neue Anti-Aging-Linie. Das Gesicht der Kampagne ist Topmodel Gisele Bündchen. Da springe ich aus dem Plisseerock! Diese brasilianische Überfrau ist 39 – in Worten: neununddreißig. Im Text unter dem Überfrauen-Foto verspricht der Hersteller, seine Creme wirke wie ein Jungbrunnen. Geht’s noch? Alles im Lack in Paris? Wenn 39-Jährige einen Jungbrunnen brauchen, frage ich mich, warum diese Luxusfirmen statt Anti Aging für Frauen 50 Plus nicht direkt schicke Rollatoren auf den Markt bringen. Vielleicht mit Swarovski-Steinchen – das Glitzern würde bestens von unseren Fältchen ablenken. Dieses Anti-Aging-Thema wird immer irrer!

Schauen wir uns die Werbebildchen doch mal genau an: Welche Frau, die für eine Anti-Falten-Creme wirbt, hat denn tatsächlich welche? Keine! Auch Schauspielerinnen in der Lebensmitte machen fleißig Reklame, wie man dem Alter dank Kosmetik trotzen kann. Nur ist es irgendwie nie ihr echtes Gesicht, das man da sieht. Viel eher das Werk eines Maskenbildners, eines Beauty-Docs oder das pfiffige Ergebnis von Photoshop. Was soll diese Augenwischerei? Warum lassen wir es uns gefallen, dass authentisch aus sehende Frauen ab 50, 60 in der Fernsehwerbung nur noch als Leidende stattfinden? Die ächzen unter krummen Rücken, tragen sich gegenseitig beim Wandern Arthrosecreme auf oder werfen sich beim Hausputz dümmlich strahlend Tropfen ein, weil sie ja so vergesslich geworden sind.

Happy Aging lautet die Devise!

Habt ihr einen Knall, ihr Werber? Wie groß muss eure Angst vor dem Älterwerden sein, dass eure Fantasie jetzt schon knittert? Vielleicht fangt ihr bei den Texten an: Lasst mal den ganzen negativ klingenden Quatsch mit „Anti“ weg und versucht es einfach mit „Happy Aging“. DAS würde mir gute Laune machen! Das Leben ist mitunter faltig genug, warum es noch trister machen? Das Altern ist kein Kriegszustand, vielmehr ist es Notwendigkeit, denn die Alternative wollen wir ja nun auch nicht, oder?

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