Angi Brinkmanns letzte Kolumne

Von Café Meins16.07.2021

Hey, habt ihr denn gar nichts begriffen? Das fragt sich unsere MEINS-Autorin derzeit immer öfters. Während wir uns noch brav an Regeln halten, lässt so mancher Rüpel die Maske fallen. Angi Brinkmanns letzte Kolumne ist ein Appell für mehr Anstand, Respekt und Empathie untereinander.

Ich durfte gerade ein paar Tage Ferien auf Mallorca machen. Herrlich, mal andere Wege zu gehen als den vom Kühlschrank durchs Wohnzimmer, äh, Pardon, Homeoffice, zum Supermarkt und ins Bett. Auf der Straße komme ich mir vor wie in einem Hollywood-Katastrophenfilm nach dem GAU. Fast fremdelnd irre ich umher und möchte gleichwohl am liebsten jeden umarmen, der mir entgegenkommt. Mit dieser romantisierenden Empfindung tief schwelgerischem Wir-Gefühls stehe ich allerdings im Abseits. Vorm Flughafen geht es zu wie beim Public Viewing: Kippen fliegen mir vor die Füße, Köpfe und Arme recken sich, Stöhnen, warum sich da vorn nix tut, ungeduldiges Schnauben heizt meinen Nacken ein, Menschen grölen über andere Köpfe hinweg.

Geht’s noch? Da seid ihr ja wieder, ihr unhöflichen Rüpel! Und ich hatte gehofft, ihr habt was gelernt … Doch blöderweise nimmt offensichtlich nicht mal jeder Zweite ein soziologisch wertvolles Bedürfnis nach respektvoller Gemeinschaft mit aus diesen auszehrenden Monaten der Einsamkeit. Das hatte ich so sehr gehofft. Hey, wir sitzen doch alle im selben Boot. Unsere Gesellschaft ist eine Arche, und von oben betrachtet ist unser Schiff ein Mückenschiss auf der Zeitskala der Evolution. Warum also genießen wir nicht diese – unsere – Zeit und machen es uns und unseren Mitreisenden möglichst nett? Während des staatlich verordneten Hausarrests lief es doch recht vielversprechend an: Menschen solidarisierten sich mit besonders Beeinträchtigten, wir ließen unsere Freiheitsrechte ruhen, um Schwächere zu schützen, lachten uns über die Masken tapfer mit den Augen an und sehnten uns kollektiv nach Kuscheln. Und nu?

Kaum dürfen wir uns wieder live beschnuppern, stehen die Vordrängler, Ignoranten und Vollpfosten aller Couleur wie Phönixe aus der Asche auf und machen weiter, als hätten sie lediglich ein Wochenende im Dornröschenschlaf gelegen. Aber das hier ist unser Echtleben, kein Krieg! Wer hätte gedacht, dass ich mich nach Abstandsmaßnahmen zurücksehne? Ich wünsche mir Anstand, Respekt, Empathie, Achtsamkeit und Mitgefühl. Bitte, wer entwickelt so einen Impfstoff mit mir? Ich bin gespannt, welche Masken in den nächsten Monaten noch so fallen werden. Seien wir achtsam und trauen wir uns, laut „Stopp!“ zu sagen, wenn wir derart miese Typen erleben.

In diesem Sinne, liebe MEINS-Freundinnen, verabschiede ich mich hier von euch. Es war mir eine Ehre, euch all die Jahre mit meinenKolumnen zu unterhalten. Und vielen Dank für die vielen sch nen und auch kritischen Briefe. Bleibt gesund! Eure Angelika

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